Gessnerallee
Zürich

"Die Gesellschaft, in der wir leben, definiert von den meisten Dingen den Zweck und das Ziel, gerade auch von Menschen. Man kann davon halten, was man will, aber die Folge davon ist eine Erfahrungsarmut. Erfahrung braucht Offenheit." Lukas Bärfuss

  
@WolfgangProbst (Traumboy, 2015)

Performative Künste sind Kollektivangelegenheiten und sie erfordern Kommunikation, vor, hinter, neben und über die Bühne hinaus. Gleichzeitig ist die Wahrnehmung von Kunst ein sehr subjektives Erlebnis, über das wir uns mit anderen austauschen möchten. Darüber hinaus kennen wir die meisten von ihnen nur als «sitzenden Kollektivkörper» (T. Seghal) und möchten Sie persönlich besser kennenlernen. Deshalb werden wir in verschiedenen Formaten Begegnungen zwischen Künstler_innen und Publikum, unter dem Publikum selbst und zwischen Künstler_innen fördern und initiieren. Mit der Weiterführung bestehender Formate (Voyeure, Workshops, Backstage) und der Erprobung neuer soll das Verständnis und Interesse für aktuelle performative Künste gefördert und unterstützt werden.

«Ein Gespräch ist immer ein Versuch zu überprüfen, ob wir in der Lage sind, Gedanken zu teilen…» Lotte van den Berg

Es heisst oft, dass man Kunst verstehen muss. Aber warum? Kunst zu machen ist ein sehr subjektiver Prozess - ebenso ist die Wahrnehmung von Kunst ein sehr subjektiver Prozess, der sich an Eindrücken, Erfahrungen, neuen Erkenntnissen oder neuen Sichtweisen orientiert. Diese Form des «Verstehens» ist auch Reibungsfläche aktueller performativer Künste, wie sie an der Gessnerallee produziert und gezeigt werden. Es werden keine geschlossenen Narrationen oder universellen Wahrheiten auf die Bühne gebracht, sondern die Suche nach Sinn und Miteinander in unserer komplexen Welt mit all ihren Verführungen und Ablenkungen widergespiegelt. Das «Nicht-Verstehen» wird zum eigentlichen Gegenstand künstlerischer Beschäftigung und gelangt von der Bühne hinüber in eine reale gemeinsame Auseinandersetzung darüber, wie wir leben wollen.

«Man muss das Publikum mit etwas konfrontieren, vom dem es dachte, das wisse es längst.» Milo Rau

Aktuelle performative Künste spiegeln Alltägliches in ungewohnter Weise, sie provozieren zuweilen und machen nachdenklich, sie sind unterhaltsam und emotional. Wir stellen uns gern vor, Sie freuen sich jeden Monat neu auf unser Programm und geniessen experimentelle Theaterperformances wie exzessive Tanzchoreografien. Aber wir wissen, dass es auch Berührungsängste gibt. Wir möchten die Gefühle wie: «davon verstehe ich nichts» oder: «das ist mir zu kryptisch» entkräften, indem wir Angebote wie erweiterte Informationen zu den Aufführungen (online), einzelne Einführungen und offene Nachgespräche für das Publikum machen, um den Zugang zu erleichtern. Denn es geht uns um die Überwindung eines Abstands zwischen «Kennern« und «Nicht-Kennern», zwischen Sehgewohnheiten, zwischen unterschiedlichen Erfahrungen, zwischen Generationen, zwischen kulturellen Vordergründen und Hintergründen und zwischen dem vermeintlich Realen des Lebens und dem vermeintlich Abstraktem der Kunst.

Kunstvermittlung ist als kritische Praxis immer auch ein offener Prozess, der auf der Akzeptanz von Differenzen und ihrem Austausch basiert und die Möglichkeit des Scheiterns einschliesst. Wir sind für Ihre Ideen und Anliegen offen. Kontaktieren Sie uns gern.

Kontakt für das Vermittlungsprogramm Begegnung und Diskurs:
Anke Hoffmann, hoffmann (at) gessnerallee (dot) ch