Theaterhaus Gessnerallee

Wir retten Zürich

Eine Evakuierung in 12 Schritten

Oktober 2009 – Juli 2010

Zürich anno 2010, hat, wie es scheint, nichts zu befürchten. Soeben im Mercer's City Ranking erneut auf dem zweiten Platz gelandet, wird die Stadt weltweit um den hohen Lebensstandard beneidet. Und trotz Finanz- und Wirtschaftskrise gibt es wohl kaum einen Grund für ein düsteres Katastrophenszenario.
Anlässlich des 20. Geburtstages der Gessnerallee haben wir uns auf die Wurzeln des Theaterhauses besonnen, das durch eine Volksinitiative, durch Bürgerwillen zustande gekommen ist, und uns auf die Spuren jener produktiven Bürgertugenden gemacht, die seinerzeit die Stadt veränderten. Wir haben uns gefragt, wo all die Menschen sind, denen das werbewirksame «Wir leben Zürich» nicht so leicht über die Lippen geht, weil die Devise ihrer alltäglichen kleinen und grossen Selbstbehauptungsstrategien «Wir ÜBERleben Zürich» lautet. Wir sind auf eine Fülle von Menschen, Initiativen und Vereinigungen gestossen, die trotz oder gerade wegen des herrschenden Wohlstands, der Ordnung und der Sicherheit eigene Lebenswirklichkeiten geschaffen und besondere (Über-)Lebensstrategien entwickelt haben, die sie in vieler Hinsicht krisenresistenter gemacht haben als die meisten von uns.

12 KünstlerInnen und Gruppen, die regelmässig vom Theaterhaus Gessnerallee koproduziert werden, sind in die Stadt ausgeschwärmt, um Antworten auf die Fragen zu finden, wer und was Zürich denn retten kann, wo und wie Zürich (über)lebt, warum Zürich (trotzdem) funktioniert und wo, wie und warum sich Menschen in Vereinen und Initiativen engagieren. Durch den behutsamen Einsatz von Choreografie, Regie und performativer Installationen soll ihre «Theatralisierung» das jeweils Eigene der mitwirkenden Bevölkerung unterstreichen und den Blick für das Veränderungspotential schärfen, das in ihrem Handeln liegt.

Vom 1.-3. Juli werden 10 weise Spekulanten, 12 tapfere Schwimmer des Aquatic Master Teams, 15 Geschichten rund um den Bahnhof Wiedikon, 25 Helden des Alltags, die Passagiere der Buslinie 31, 40 hellhörige, heimatverbundene, hoffnungsvolle Jugendliche, 200 Orchestermusiker, 500 Wünsche, etliche kuschelnde Deutsche sowie erfinderische Sans Papiers werden in der grossen Halle der Gessnerallee zusammengeführt. Ein Dorf im Dorf entsteht, das ein anderes, neues Bild von Zürich zeigt. Gemeinsam mit einer grossen Anzahl von mitwirkenden Stadtbewohnerinnen und -bewohnern feiern wir das Dorffest und schlagen eine alternative Kartografie vor, ein performatives City Mapping, das nicht den existierenden Strassen, Plätzen und Gebäuden folgt, sondern deren Bewohnern, ihren Wünschen und Sehnsüchten Aufmerksamkeit schenkt und das die vielen individuellen Strategien zu ihrer Erfüllung mit den Mitteln der Kunst ins Zentrum rückt.

Ort und Zeit der einzelnen Stationen werden über einen eigenen Newsletter bekanntgegeben. Anmeldung unter www.gessnerallee.ch/service/newsletter

Fotos der bereits stattgefundenen Schritte finden Sie auf  www.gessnerallee.ch/festivals_reihen