Theaterhaus Gessnerallee

Travellers

Salome Schneebeli - mama tanzt

Tanz

«Travellers» – zwei Stücke, ein Abend, ist eine Annäherung an das Phänomen des Reisens anhand eines choreografischen Tagebuches, das Salome Schneebeli während eines Aufenthalts als Artist-in-Residence in Rumänien und Ägypten niedergeschrieben hat. Die Auseinandersetzung mit den Erfahrungen des Fortgehens, Ankommens, Aufenthalts und Weggehens als Erinnerung ist das zentrale Thema dieses Tanzstücks. Der flüchtige Moment des Erlebens einer fremden Stadt, der unabdingbar sofort zur Geschichte wird und damit eine Nacherzählung ermöglicht, wird in «Travellers» von der Tagebuchform in Tanz übersetzt. So begibt sich Salome Schneebeli auf Spurensuche und endet in einer thematischen Treibjagd.
Eine europäische Frau allein in Kairo – konfrontiert mit allem, was unter der Oberfläche zu brodeln beginnt, sobald man Raum und Zeit hat für sich selbst. Eine Seite in ihr versucht, den Ort und die Kultur zu verstehen. Das lässt sie straucheln, immer wieder verliert sie den Boden unter den Füssen, findet sich wieder – ein Tanz von Ruhe und Chaos. Die andere Seite findet die verloren geglaubte Balance in der zerbrechlichen Struktur, in der man sich als Fremde in einem Ort wie Kairo befindet. Zwei Tänzerinnen, eine Person. In dem gemeinsamen Spiel um Macht und Ohnmacht, Balance und Chaos entwickeln beide einen Schalk und eine Freude, Codes zu verändern, sich Impulse zuzuspielen, sich miteinander zu verbinden, um wieder alleine loszuziehen, um in den Machtverhältnissen der Stadt nicht unterzugehen.
Nur scheinbar willkürlich kommt die zweite Situation daher: in einem verdunkelten Hotelzimmer begegnen sich zwei junge Männer, deren Herkunft und Geschichte nicht unterschiedlicher sein könnte. Was sie verbindet ist der Grund für ihre Anwesenheit und die bewusst gewählte Anonymität im Rahmen dieser vier Wände. Sie sind nicht zum ersten Mal hier, und es wird auch nicht das letzte Mal sein. Der Raum wird Ort und Synonym für das Ausleben einer ungezügelten Freiheit und Sehnsucht nach intimer Intensität, welche ausserhalb dieser Wände nicht von Bedeutung sein darf. Am Ende wird das Szenario durch einen apokalyptischen Sturm durcheinandergebracht, welcher in keinster Weise vorhersehbar war. Aus Leben wird Stillstand.
«Travellers» durchleuchtet schonungslos menschliche Begierden und Sehnsüchte und prüft diese auf ihre Beständigkeit und Aussagekraft. «Travellers» fragt, wohin mit mir. Für welchen Ort, welchen Rahmen, welche Form von Leben, für wen und wofür entscheide ich mich letztendlich? Wie prägt mich die Summe meiner Erfahrungen, meine persönlichen und gesellschaftlichen Konditionierungen? Eine Suche nach der Insel im Dschungel des Lebens, die Selbstbestimmtheit und Entscheidungsfreiheit proklamiert.

Heta Multanen

Konzept und Leitung Salome Schneebeli Konzept und Choreografie Salome Schneebeli, Anna Tenta Mit Kimon Arvanitis, Jarek Kostka, Jeanine Leuenberger, Salome Schneebeli, Yaron Shamir, Anna Tenta / Simone Blaser, Istvan Teglas, Simon van Oerle Musik Martin Gantenbein, Ephrem Lüchinger, Ahmad el Sawy Raum Regula Blass Licht Michel Güntert Art Director Heta Multanen Dramaturgische Mitarbeit Barbara Ellenberger, Kaa Linder Produktionsleitung Sebastian Heft, Lukas Piccolin Regieassistenz Eva Küpfer, Hospitanz Eva Büchi Koproduktion Theaterhaus Gessnerallee Zürich, Schlachthaus Theater Bern Gefördert durch Stadt Zürich Kultur, Fachstelle Kultur Kanton Zürich, Pro Helvetia Schweizer Kulturstiftung, Migros Kulturprozent, Zuger Kulturstiftung Landis & Gyr, Ernst Göhner Stiftung