Othello c’est qui
Gintersdorfer/Klaßen (DE/CI)
Performance
Othello ist der berühmteste Schwarze auf den Bühnen des Westens - selbst der Schaffner im Zug zwischen Hamburg und Berlin kennt ihn, sehr zum Erstaunen des ivorischen Künstlers Franck Edmond Yao. Denn: in Afrika ist Othello ein Unbekannter, seine Geschichte eine europäische Angelegenheit, bei der das Fremde immer neu interpretiert wird. Alexander Scheer war der wilde, schwarz gefärbte Othello am Hamburger Schauspielhaus, Wolfram Koch spielte Othello am Deutschen Theater Berlin, der abfärbende Ulrich Wildgruber bei Zadek, der weiss belassene Thomas Thieme an den Münchner Kammerspielen oder der in Deutschland lebende und arbeitende Afrikaner Jubril Sulaymon in Freiburg. Das Künstlerduo Gintersdorfer/Klaßen konfrontiert die Shakespeare-Figur in all ihren Ausprägungen auf deutschen Bühnen mit dem afrikanischen Kulturkreis. Sie initiieren einen Dialog mit dem von der Elfenbeinküste stammenden Tänzer und Schauspieler Franck Edmond Yao und der deutschen Schauspielerin Cornelia Dörr. Was wie ein interkulturell idealer Austausch über die westliche Bühnenfigur Othello beginnt und Themen wie Liebe, Sex, Ehre und Eifersucht verhandelt, wird immer mehr zur harten Auseinandersetzung zwischen zwei Kulturen, die von extremen Gefühlen, Vorurteilen, Missverständnissen und Gegensätzen geprägt ist. Gintersdorfer/Klaßen zeigen in ihrer berührenden Arbeit nicht die grosse Umarmung im Trommelrausch, sie erfinden für den allzu oft vergeblichen Versuch, den anderen und das Fremde zu verstehen, eine kongeniale Form.
«Gintersdorfer und Klaßen experimentieren interdisziplinär mit kultureller Konfrontation und künstlerisch produktiven Konflikten zwischen Tradition und Fremdem.» Hamburger Abendblatt
Knut/Klassen
Mit Cornelia Dörr, Franck Edmond Yao Regie und Konzept Monika Gintersdorfer, Knut Klaßen Koproduktion Kampnagel Hamburg, FFT Düsseldorf Gefördert durch Fonds Darstellende Künste e.V., Hamburgische Kulturstiftung
