Gessnerallee
Zürich

All Inclusive

Julian Hetzel / Campo

Das Publikum schaut in einen Ausstellungsraum, in der eine Museumspädagogin einer kleinen Gruppe Kunstwerke erklärt. Zu sehen sind realistische Darstellungen von Gewalt und Abstraktionen, Objekte, die erst durch Gewaltakte der Ausstellungsbesucher*innen zu Kunst werden, sowie Überbleibsel realer Gewalt. Wer hat das Recht, diese Werke zu verwerten? Der Künstler, der sie sich ausgedacht hat, oder die Menschen, die die Gewalt, auf die hier Bezug genommen wird, real erfahren oder sogar mit dem Leben bezahlt haben?

Diese bitterböse Komödie spielt in der Grauzone zwischen politisch engagierter Kunst und Ausbeutung des Leidens anderer. «All Inclusive» ist unterhaltsam und unbequem, verstörend und ästhetisch. Viele Künstler*innen – auch Julian Hetzel selbst – nutzen Konflikte und Kriege als Rohstoff für Arbeiten, die aufrütteln und zum Nachdenken anregen wollen. Zugleich schlagen sie daraus finanzielles und soziales Kapital. Genau an der Schmerzgrenze dieser moralischen Zwickmühle spielen die raffinierten Szenen des Stücks.

Julian Hetzel wurde 1981 im Schwarzwald geboren und lebt in Utrecht. Er arbeitet als Regisseur, Musiker und Künstler. An den Schnittstellen zwischen Theater, Musik und Medien entwickelt Hetzel Stücke und Installationen, die eine politische Dimension haben und einen doku-fiktionalen Ansatz verfolgen. Hetzel studierte bis 2008 Visuelle Kommunikation an der Bauhaus Universität in Weimar. Nach seinem Abschluss setzte er seine Ausbildung an der Kunsthochschule DasArts in Amsterdam fort. Zwischen 2014 und 2016 war Hetzel Artist in Residence des SPRING Festival für Performing Arts Utrecht, seit 2017 werden seine Arbeiten vom Kunstzentrum CAMPO in Gent, Belgien, koproduziert. Hetzel ist Mitbegründer der Leipziger Elektropop-Band Pentatones. Drei seiner Arbeiten wurden zur Biennale in Venedig 2019 eingeladen. Eine der Arbeiten, «Automated Sniper», wurde bereits an der Gessneralle gezeigt.

«Bitterkomisch, zynisch und manchmal kaum auszuhalten. Vor allem aber entlarvend, und das macht ‚all Inclusive‘ (eine Koproduktion u.a. mit dem Schauspiel Leipzig und den Münchner Kammerspielen) so brisant und wirkungsvoll: Julian Hetzel macht die Kunst und damit sich selbst als Künstler angreifbar.»
(nachtkritik.de)

Credits

→ In Englisch mit deutschen Übertiteln
September
19 Do Halle
20.00
20 Fr Halle
20.00