Gessnerallee
Zürich

Converting Eviction

Sello Pesa/Ntsoana und Tim Zulauf/KMUProduktionen

Johannesburg, 2020 – Einem Lokalfernsehsender widerfährt Drastisches: Erst fressen sich weisse Flecken ins Archivmaterial. Dann legt ein Feuer die Einrichtung in Schutt und Asche. Noch an der Solidaritäts-Feier zum Wiederaufbau des Senders breitet sich ein unheimliches Phänomen aus: Teile der Gesellschaft beginnen, an einer selektiven Sehunschärfe zu leiden

«Converting Eviction» entsteht zwischen den Gruppen Ntsoana von Sello Pesa, Johannesburg, und Tim Zulauf/KMUProduktionen, Zürich. Das Projekt befasst sich mit globalen und schweizerischen Verstrickungen in die südafrikanische Apartheidzeit, deren heutigen Folgen und den Kämpfen um Wiedergutmachung und Entschuldung. Erfunden wird eine kaleidoskopartige Aufführungsform, die Stücktexte, Dauerperformances, Musik und Zeitdokumente in Beziehung setzt.


Hintergrund:

Thematisch setzt die Arbeit ein beim aufgeladenen Verhältnis zwischen der Schweiz und Apartheid-Südafrika. Die offiziellen Versuche, diese Geschichte kritisch zu durchleuchten, gipfelten im Nationalfonds-Forschungsbericht NFP 42+ «Beziehungen Schweiz–Südafrika» (2001–2004) . Diese Aufarbeitung wurde von Anti-Apartheid-Aktivist*innen für unbefriedigend befunden. Stossend war vor allem die Aktensperre, mit welcher der Bundesrat, immerhin Auftraggeber der Studie, die Arbeit der Historiker*innen behinderte. Diese Sperre wurde 2014 aufgehoben – exakt in dem Jahr, in dem eine seit 1999 geführte Sammelklage von Apartheid-Opfern in New York endgültig abgelehnt wurde. Die Vergangenheit scheint entschärft.

«Converting Eviction» will Bögen in die Tiefe dieser Vergangenheit schlagen und die blinden Flecken untersuchen. Seit den 1950 Jahren wurde strategisch und mit grossem Aufwand viel Nicht-Wissen konstruiert und Klarheit verunmöglicht. Sei dies in Bezug auf Schweizer Kapital- oder Waffenexporte an das rassistische Regime, die Zusammenarbeiten mit Geheimdienst- oder Biowaffenprogrammen, wie in der Affäre Peter Regli/Wouter Basson, oder in der Agentenaffäre Craig Williamson. Nicht zuletzt haben die Giganten unter den Rohstoffhändlern, wie die in Zug ansässige Glencore, ein Konzern, der 2012 in das Marikana-Massaker des Platin-Minen-Unternehmens Lonmin involviert war (um sich dann 2015 von Lonmin zu trennen), die Grundlage ihrer Firmenmacht durch sanktionsbrechende Öl-Geschäfte mit der Apartheid gelegt.

Die Vergangenheit lässt sich aber nicht abschütteln. Dies ist umso augenfälliger, als die Ungleichheit in Südafrika weiterhin entlang der willkürlichen Grenzziehung von Hautfarben verläuft: Das reiche Südafrika gilt auch nach 25 Jahren ANC-Regierung weltweit als eines der Länder mit am ungleichsten verteiltem Wohlstand. Grossteile der schwarzen Bevölkerung verfügen weiterhin über keine gesicherten Wohnsituationen. Bergbauprojekte und Stadtentwicklung führen zu grossflächigen Vertreibungen. Berüchtigt ist dabei der Konzern Red Ants, ein paramilitärisches Unternehmen, das auch im staatlichen Auftrag Gebäude von Bewohner*innen räumt. Die dabei erfolgende Gewalt ist Teil der Firmenphilosophie.

«Converting Eviction» spielt vor dem Hintergrund solch komplexer Wechselbeziehungen. Die transnationale Konstellation des künstlerischen Teams fügt diese Verhältnisse zu einem kaleidoskopartigen Blick.

Credits

→ In Deutsch und Englisch → Dauer: TBA
Januar
14 Di Halle
20.00
16 Do Halle
20.00
17 Fr Halle
20.00
19 So Halle
18.00
21 Di Halle
20.00
22 Mi Halle
20.00